Jeff Smith —A Crime Story in German

Kapitel 1 Der Anruf

Jeff sitzt auf der Terrasse als das Telefon klingelt. „Mist, warum jetzt, und warum habe ich das Telefon im Haus liegen lassen?“. Wahrscheinlich weil es sowieso nur die Hälfte der Zeit funktioniert, ergänzt er in Gedanken. Eigentlich wollte er sich eine Zigarette anstecken und die letzten Sonnenstrahlen des Tages mit einem eiskalten Dosenbier genießen. “Vielleicht ist es der Verlag.”

Das Arbeitszimmer liegt ein paar Schritte entfernt. Jeff hebt nach dem vierten Klingel den Hörer ab: „Ja, Smith hier. “ „Hallo, mein Name ist…“ weiter kommt der Anrufer nicht. Die Leitung ist nach wenigen Sekunden tot. Die Telefongesellschaft hatte ihm vor Wochen einen Brief gesendet und angekündigt, dass in Kürze neue Kabel verlegt würden und es zwischenzeitlich Probleme geben könnte.

Da er an dem Ärger mit der defekten Telefonleitung nicht ganz unschuldig ist, hat er es bislang vermieden sich zu beschweren. Vor gut zwei Jahren war die alte Eiche auf seinem Grundstück in die Oberleitungen gestürzt und hat Strom und Telefon für mehrere Tage lahm gelegt. Gut, dass nur wenige Häuser in der Nachbarschaft stehen. Jeff sollte die Eiche ursprünglich direkt nach seinem Einzug im Spätsommer 2010 fällen. Dies war eine der Auflagen, die er beim Kauf des alten Anwesens erhalten hatte. Damals schrieb er an seiner letzten Kriminalgeschichte und als er diese im darauffolgenden Frühjahr beendete, erschien ihm das Baumfällen nicht mehr ganz so wichtig. Immerhin hatte die Eiche gerade einen harten Winter überstanden und was sollte überhaupt schon passieren.

Zurück auf der Terrasse nimmt er einen kräftigen Schluck Bier. Irgendetwas kam ihm seltsam an dem Anruf vor. Jeff meint eine Frauenstimme erkannt zu haben, aber sicher war er nicht. Warum wurde aufgelegt? Seine Gedanken werden von einem lauten Magenknurren verdrängt. Seit dem Frühstück hat er außer 4 Tassen Kaffee und 3 Zigaretten nichts mehr zu sich genommen. Es ist Zeit für ein Abendbrot. Jeff kocht sehr gerne, aber heute muss es schnell gehen, da er später noch an seinem Buch arbeiten will. Er entscheidet sich für Käse-Schinken Sandwich mit Spiegelei. Nach dem Essen und einer weiteren Dose Bier, macht er sich für einen Spaziergang bereit. Frische Luft hat ihm schon immer geholfen, seine Gedanken zu sortieren. Seit dem Jeff gelesen hatte, dass viele berühmte Schriftsteller lange Spaziergänge machten, folgt er diesem Beispiel. Berühmt ist er bislang nicht geworden, aber die Spaziergänge sind geblieben.

Jeff schnürt sich im Sessel neben der Eingangstür seine Wanderschuhe, als das Telefon erneut klingelt. Wenn er nicht auf einen Anruf seines Verlages warten würde, hätte er das Klingeln mit Sicherheit ignoriert. Er geht grundsätzlich nur ungern ans Telefon. Alleine das Klingeln macht ihn bereits nervös. Die Leitung besteht hauptsächlich um Kontakt zu seinem Verlag zu halten. Handyvertrag, Internetanschluss, Facebook und LinkdIn Account hat er an seinem letzten Arbeitstag in seinem alten Büro aufgelöst. Jeff wollte sich ausschließlich auf seine Arbeit als Schriftsteller konzentrieren. Bevor er das alte Anwesen kaufte, hatte er einen gut bezahlten Job bei einer Firma, die Maschinen für den Straßenbau herstellte. Jeff war für die Finanzen der Firma zuständig und wahrscheinlich hätten sie ihn eines Tages in die Geschäftsleitung aufgenommen. Er mochte seine Job, war ein angesehener Mann in der Firma und überall sehr beliebt. Nur mit Frauen hatte er nicht so viel Glück. Während des Studiums hatte er Beziehungen zu Frauen gepflegt. Mit zwei Frauen konnte er sich sogar eine Zukunft vorstellen. Nach der Uni fing er bei einem der großen Beratungshäuser in Chicago an. Seine Vorgesetzten erkannten schnell seine Qualitäten. Er war stets ausgelastet und lebte fast ausschließlich aus dem Koffer. Jeff wurde auf Projekten im ganzen Land eingesetzt. Zunächst als Assistent und später als Projektleiter. Er war Single, ehrgeizig und beschwerte sich nie über zu viel Arbeit. Das waren die besten Voraussetzungen, um in dieser Branche erfolgreich zu werden. Zudem hatte er Spaß an der Verantwortung, zumindest eine Zeit lang. Bis das Angebot von einem Produzenten für Baumaschinen kam. Die Firma suchte für die internationale Wachstumsstrategie einen Finanzexperten. Jeff nahm das Angebot an. Das Leben aus dem Koffer hatte er satt. Er sehnte sich nach mehr Ruhe, Stabilität und einem tieferen Sinn in seinem Leben. Außerdem fehlte ihm eine Frau in seinem Leben und das Gefühl wuchs von Jahr zu Jahr.

Jeff Smith griff zum Telefon: “Smith, guten Abend.”. Auch wenn er es hasste zu telefonieren, so war er nie unhöflich. Im Gegenteil. Dies lag wahrscheinlich daran, dass Jeff sich nicht zu ernst nahm und den meisten Dingen gelassen gegenüber stand. Außerdem konnte er gut zuhören. Er wusste nur zu gut, dass die meisten Menschen am liebsten über sich selbst reden.

“Hallo, Sie müssen mir helfen. Ich bin entführt worden. Meine Name ist…”.

To be continued…..