Carol Dweck: Selbstbild
von RT&W
Durch einen Blog Post von Shane Parish von Farnam Street bin ich auf das Buch Selbstbild (Originalausgabe: Mindset. The Psychology of Success) von Carol Dweck aufmerksam geworden. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und deshalb möchte ich es nicht einfach in den Schrank stellen, sondern weiter darüber nachdenken und etwas dazu schreiben.
Carol Dweck ist Professorin für Psychologie an der Stanford University. Sie forscht zu den Themen Motivations- und Entwicklungspsychologie und ist auf ihrem Gebiet eine der weltweit führenden Wissenschaftlerinnen. Größere Bekanntheit erlangte sie u.a. durch ihren TED Vortrag im November 2014.
In ihrem ersten Buch erklärt Carol Dweck wie wir mit unserem Denken Erfolge oder Niederlagen bewirken bzw. beeinflussen können. Die Autorin beschreibt anhand einer Vielzahl von Beispielen aus Sport, Wirtschaft, Politik und Kunst wie das eigene Selbstbild unser Handeln beeinflusst und das unserer Kinder und Schüler. Im Zentrum ihrer Ausführungen stehen die Auswirkungen eines statischen („fixed mindset„) und dynamischen („growth mindset„) Selbstbildes auf nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Carol Dweck verknüpft dabei gekonnt Ergebnisse aus der Forschung mit prominenten Personen und Beispielen aus unserem täglichen Leben. Ganz nebenbei erfährt man dabei etwas über die Persönlichkeitsmerkmale von John McEnroe, Michael Jordan, Jack Welch und Lee Iacocca sowie vielen weiteren Prominenten aus Sport und Wirtschaft.
Das Buch hat insgesamt 304 Seiten und ist in acht Kapitel mit jeweils vier bis zehn Unterkapitel eingeteilt. Die Kapitel haben eine Länge von maximal 40 Seiten, was ich grundsätzlich als sehr angenehm empfinde, da es mir die Einteilung des Lesestoffs erleichtert.
Inhalt
In den ersten beiden Kapiteln führt Carol Dweck das statische und dynamische Selbstbild ein. In Kapitel drei geht es um Talent und Leistung. Außerdem erklärt uns die Autorin warum loben gefährlich sein kann. Die Kapitel vier, fünf und sechs verdeutlichen die Auswirkungen des statischen und dynamischen Selbstbildes anhand von Beispielen aus Sport, Wirtschaft und Partnerschaft. In Kapitel sieben zeigt uns Carol Dweck wie wir ein statisches bzw. dynamisches Selbstbild erlernen. Es ist das längste Kapitel im Buch und gibt viele wichtige Hinweise wie wir unseren Kindern und Schülern eine dynamische Sichtweise vermitteln können. Es geht um fordern, fördern, Wachstum, Lernen, Zuneigung, Liebe und ganz einfach um Anstrengung. Das Buch endet mit einem „Workshop“, in dem wir uns bewusst mit unserem Selbstbild auseinandersetzten können.
Was habe ich gelernt?
Mit einem dynamischen Selbstbild können wir sehr viel erreichen. Eine statisches Selbstbild hingegen beschränkt unsere Entwicklungsmöglichkeiten sowie die unserer Kinder und Schüler.
Loben kann gefährlich sein. Lobt man Intelligenz anstelle von Anstrengung, schadet das langfristig der Motivation und damit der Leistung.
Außerdem habe ich zum ersten Mal von John Wooden gehört. Er war der erfolgreichste und am meisten geachtetste Trainer im US College Basketball und darüberhinaus ein großer Mentor für viele seiner Spieler – unter ihnen Kareem Abdul Jabbar. Seine Lebensphilosophie ist geprägt von einem dynamischen Selbstbild. Seine Erfolge und vielmehr noch seine Definition von Erfolg unterstreichen die Bedeutung des dynamischen Selbstbildes.
Wenn Sie sich jeden Tag ein wenig verbessern, geschehen letztendlich große Dinge. Nicht morgen, nicht am nächsten Tag, aber irgendwann wird ein großer Gewinn erzielt. Sehnen Sie sich nicht nach der großen, schnellen Verbesserung. Streben Sie nach der kleinen Verbesserung, ein Tag nach dem anderen. Das ist der einzige Weg, wie es passiert – und wenn es passiert, hält es für eine lange Zeit an. (John Wooden)
Einige Zitate aus dem Buch
In der einen Welt ist Anstrengung etwas schlechtes. Wer sich anstrengen muss, hat kein Talent oder keine Intelligenz. In der anderen Welt ist es genau die Anstrengung, die überhaupt erst zu Talent oder Intelligenz führt.
Nur weil einige Menschen etwas ohne jede Anleitung können, bedeutet dies nicht, dass andere Menschen dies unter Anleitung nicht lernen und vielleicht sogar besser machen können.
„Ich glaube daran, dass Können uns an die Spitze bringt, aber nur mit Charakter hält man sich auch da. … es braucht Charakter, um weiter hart oder noch härter an sich zu arbeiten, wenn man erst einmal oben ist.“ (John Wooden)
„Ich verwende ungern die erste Person. Fast alles, was ich in meinem Leben geleistet habe, habe ich zusammen mit anderen Menschen zustande gebracht…“ (Jack Welch)
„Wenn Tiger Klempner hätte werden wollen, dann wäre das auch in Ordnung gewesen, solange er ein guter Klempner geworden wäre. Wir wollten, dass ein guter Mensch aus ihm wird. Und er ist ein großartiger Mensch geworden.“ (Vater von Tiger Woods)
Gute Lehrer glauben an die Entwicklung von Intellekt und Talent und sie begeistern sich für den Lernprozess.
Der Erfolg kommt nicht zu euch, ihr müsst zum Erfolg kommen.
Ihr habt Talent, lasst uns mit dem lernen anfangen.
Es gibt keine Abkürzungen.
Fang an zu lernen, schlaf regelmäßig und mach dein Ding.
Wenn wir ein dynamisches Selbstbild annehmen dann wechseln wir von einem Urteilen-und-beurteilt-werden-Modus in einen Lernen-und-helfen-Modus.
„Entweder du gehst nach oben oder nach unten.“ (Alex Rodriguez) Und wenn schon, dann sollten Sie entscheiden, wohin die Reise geht.
Für wen ist das Buch?
Carol Dweck schafft es mit ihrem Buch ein breites Publikum anzusprechen. Das Buch ist für alle die Lust am Lernen und der persönlichen Weiterentwicklung haben und ganz besonders für diejenigen, die diese Lust (noch) nicht verspüren.
Weiterführende Links
https://psychology.stanford.edu/cdweck
https://www.brainpickings.org/2014/01/29/carol-dweck-mindset/