Read Think & Write

Monat: April, 2025

STRONGER – damals und heute

Zwei Jahre vor meinem Schlaganfall habe ich den Beitrag „Stronger“ geschrieben.
Er war ehrlich. Ich war stark, voller Energie, im Einklang mit meinem Körper.
Das Heben schwerer Gewichte war mein Weg, mit mir selbst verbunden zu sein.
Es war einfach, hart, kraftvoll – genau mein Ding.

Dann kam der Bruch.
Von einem Tag auf den anderen hat sich alles verändert.
Mein Körper war nicht mehr der gleiche. Mein Leben war nicht mehr das gleiche.
Ich musste alles neu denken – auch das, was „Stärke“ für mich bedeutet.

Heute hebe ich keine schweren Gewichte mehr.
Ich spiele kein Hockey mehr.
Aber ich bewege mich – jeden Tag. Ich gehe, ich trainiere mit dem eigenen Körpergewicht.
Ich bleibe dran. Still, konsequent, in meinem Tempo.

Früher bedeutete „stärker werden“: mehr, schneller, schwerer.
Heute bedeutet es: bewusster, geduldiger, entspannter.

Und trotzdem:
Ich würde den ursprünglichen Text von damals auch heute noch genau so unterschreiben.
Ich empfehle es weiterhin jedem, der körperlich dazu in der Lage ist.
Ich würde es selbst immer wieder so machen – wenn die Angst nicht wäre.

Und deshalb heißt es heute für mich:
Read, Think & Write – and walk (a lot).

Damit muss ich leben.
Und: Ich kann damit leben.
Ich bin dankbar.


Kapitel 1 – Mein Text von damals (2020)

STRONGER
von RT&W
Lift heavy weights. It changed my life and it can change yours too. Without the heavy stuff, I would be lost, without it, I would not feel in sync with my body and soul.
I like it simple, hard, and heavy. Just a barbell a few plates and a kettlebell.
I sleep well, I feel great, I am lean and I am stronger than I was 10 years ago.
I am more self-confident in my job and in my private life.
Nothing else had a more profound effect on me than lifting heavy weights.
If you want to become strong, fight muscle atrophy and lose some belly fat, start lifting heavy and learn to swing the kettlebell.
Read about it and look for a certified strength coach. I promise you it will be a game changer for you.
You won’t regret it.
Read, think & write and lift heavy!

Mein Leben nach dem Schlaganfall.

Schritt für Schritt zurück zu mir

Vor drei Jahren hat ein Schlaganfall mein Leben verändert. Nicht ein bisschen. Komplett.

Von 100 auf 0 – so hat es sich angefühlt.
Am Anfang hab ich gar nicht verstanden, wie sehr sich mein Leben verändern würde.
Ich bin sofort losgelaufen, wollte aktiv bleiben. Aber oft war es ein Schritt vor und zwei zurück. Vor allem Mental. Erst langsam wurde es besser. Jetzt, nach drei Jahren, sehe ich wieder mehr Licht als Dunkel. In diesen Texten erzähle ich von meinem Weg – ehrlich, langsam, aber mit Richtung.

Was geblieben ist

Ich habe früher gern mit Freunden gefeiert – heute meide ich Alkohol.
Ich war im Kraftraum und beim Sport – immer an der Grenze, immer leistungsfähig. Heute achte ich darauf, dass mein Puls nicht zu hoch steigt. Und Gehen ist mein neues Laufen.

Ich war schlagfertig, witzig, selbstironisch. Heute bin ich oft still. Verletzlicher. Unsicherer.
Ich war jemand, der mit allen Kindern Quatsch gemacht hat. Heute fehlt mir oft die Energie.
Ich war optimistisch. Heute habe ich manchmal Zukunftsangst. Ich fühle mich schnell gestresst, wenn jemand etwas von mir will.

Aber:

Früher reichte oft schon eine Kleinigkeit, um mein inneres Barometer auf Sturm zu stellen, besonders wenn es um meine Vorstellungen von Ordnung ging. Disziplin und gesunde Ernährung waren für mich eher Gebote als Empfehlungen. Heute sehe ich das Ganze entspannter – sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Mitmenschen. Mittlerweile lebe ich lieber nach dem Motto: Leben und leben lassen.
Geblieben ist die Liebe zu meiner Familie. Mehr noch: Sie ist gewachsen.
Geblieben ist auch mein Wille zur Bewegung, zum Training. Nur anders als früher – bewusster, leiser, aber nicht weniger entschlossen.

Es ist ein neues Leben. Und ich lerne gerade, es nicht nur zu akzeptieren – sondern es zu gestalten.