Mein Leben nach dem Schlaganfall.
von RT&W
Schritt für Schritt zurück zu mir
Vor drei Jahren hat ein Schlaganfall mein Leben verändert. Nicht ein bisschen. Komplett.
Von 100 auf 0 – so hat es sich angefühlt.
Am Anfang hab ich gar nicht verstanden, wie sehr sich mein Leben verändern würde.
Ich bin sofort losgelaufen, wollte aktiv bleiben. Aber oft war es ein Schritt vor und zwei zurück. Vor allem Mental. Erst langsam wurde es besser. Jetzt, nach drei Jahren, sehe ich wieder mehr Licht als Dunkel. In diesen Texten erzähle ich von meinem Weg – ehrlich, langsam, aber mit Richtung.
Was geblieben ist
Ich habe früher gern mit Freunden gefeiert – heute meide ich Alkohol.
Ich war im Kraftraum und beim Sport – immer an der Grenze, immer leistungsfähig. Heute achte ich darauf, dass mein Puls nicht zu hoch steigt. Und Gehen ist mein neues Laufen.
Ich war schlagfertig, witzig, selbstironisch. Heute bin ich oft still. Verletzlicher. Unsicherer.
Ich war jemand, der mit allen Kindern Quatsch gemacht hat. Heute fehlt mir oft die Energie.
Ich war optimistisch. Heute habe ich manchmal Zukunftsangst. Ich fühle mich schnell gestresst, wenn jemand etwas von mir will.
Aber:
Früher reichte oft schon eine Kleinigkeit, um mein inneres Barometer auf Sturm zu stellen, besonders wenn es um meine Vorstellungen von Ordnung ging. Disziplin und gesunde Ernährung waren für mich eher Gebote als Empfehlungen. Heute sehe ich das Ganze entspannter – sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Mitmenschen. Mittlerweile lebe ich lieber nach dem Motto: Leben und leben lassen.
Geblieben ist die Liebe zu meiner Familie. Mehr noch: Sie ist gewachsen.
Geblieben ist auch mein Wille zur Bewegung, zum Training. Nur anders als früher – bewusster, leiser, aber nicht weniger entschlossen.
Es ist ein neues Leben. Und ich lerne gerade, es nicht nur zu akzeptieren – sondern es zu gestalten.