John Strelecky: Das Café am Rande der Welt
von RT&W
Für alle die sich fragen, ob es nicht mehr im Leben geben sollte, als zehn bis zwölf Stunden täglich im Büro zu verbringen und auf eine Beförderung hinzuarbeiten, um anschließend zwölf bis vierzehn Stunden am Tag zu arbeiten, ist diese Geschichte genau richtig. Der Autor, John Strelecky, nimmt uns mit auf seine Reise auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Durch einen ungewollten Zufall landet John auf dem Weg in den Urlaub im Café der Fragen, wo er den Rest der Nacht mit gutem Essen und tiefgründigen Gesprächen verbringt. Alles beginnt beim Studieren der Speisekarte. Auf der Vorderseite heißt es „Willkommen im Café der Fragen“ und „Bitte lassen Sie sich vor Ihrer Bestellung von unserem Servicepersonal beraten, was Ihre Zeit hier bedeuten könnte.“ Auf der Rückseite der Karte wird John und der Leser mit den zentralen Fragen des Buches konfrontiert, die es auf der Suche nach dem Sinn des Lebens zu beantworten gilt. „Warum bist du hier?“, „Hast du Angst vor dem Tod?“, „Führst du ein erfülltes Leben?“ Bei der Beantwortung der Fragen wird John von der Serviererin Casey, dem Koch und Cafébesitzer Mike, sowie Anne einem (Stamm-)Gast unterstützt. Alle drei haben sich bereits persönlich mit den drei Fragen auf ihre eigene Art und Weise auseinandergesetzt und für sich beantwortet. Nun sind John und alle Leser dran, es ihnen gleich zu tun. Jeder für sich und in seinem eigenen Tempo. Das Buch hat insgesamt 127 Seiten und lässt sich sehr flüssig und zügig lesen, aber man sollte sich Zeit nehmen mit der Lektüre und seine eigenen Antworten finden, vorausgesetzt man ist offen dafür. Die Serviererin warnt John gleich zu Beginn, dass wenn man die erste Frage umformuliert in „warum bin ich hier?“ und sich damit ernsthaft auseinandersetzt, wird die Suche nach der Antwort zu einem Teil des eigenen Daseins werden. Wenn dieses Tor einmal aufgestoßen wurde, lässt es sich nur schwer wieder schließen. Vielen Menschen geht es gut ohne sich mit dieser Frage zu beschäftigen, andere suchen nach etwas Erfüllenden, etwas Größeren. Viele Menschen sind auf der Suche nach etwas und wissen oft nicht so genau was es ist und genau hier können einem die drei Fragen und die Personen aus dem Café der Fragen weiterhelfen. Niemand wird gedrängt sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, das ist eine ganz persönliche Entscheidung und es ist ebenso erlaubt in eine andere Richtung zu laufen. Die Fragen sind nur eine Möglichkeit die Dinge neu zu beleuchten. Es geht darum, warum jemand überhaupt existiert. Manche klären die Frage schon als Kind für sich, andere erst später und wiederum andere gar nicht. Es ist klar, dass es nicht den einen Weg geben kann, die Antwort auf die Frage warum bin ich hier zu finden. Allerdings haben diejenigen, die eine Antwort für sich gefunden haben, offenbar etwas gemeinsam. Wenn ein Mensch weiß warum er hier ist, dann hat er den Zweck seiner Existenz („ZDE“) erkannt. Dabei muss der Mensch sich nicht auf eine Sache beschränken. Im Laufe seines Lebens stellt er vielleicht fest, dass er 10, 20 oder 100 Dinge tun möchte, um dem Zweck seiner Existenz gerecht zu werden. Die erfülltesten Gäste des Cafés der Fragen sind diejenigen die ihren ZDE kennen und all die Dinge ausprobieren, die ihrer Meinung nach der Bestimmung dienen. Die anderen Leute tun auch eine Menge Dinge, die nichts mit dem ZDE zu tun haben. Jemand lernt all die Dinge, die seinen ZDE erfüllen können, indem er viele Dinge in Erfahrung bringt, die etwas mit seinem ZDE zu tun haben, und indem er sich intensiv damit beschäftigt.
„Sobald jemand weiß, warum er hier ist, tut er, was immer er möchte und was dem Zweck seines Daseins dient.“ „ Tue, was immer du willst und was deiner Bestimmung entspricht.“
Der Autor hatte, wie viele andere Menschen auch, seine Entscheidungen meistens aufgrund von Ratschlägen aus der Familie, sozialem Druck oder aufgrund der Meinung anderer Leute getroffen.
Wenn man nicht genau weiß, warum man hier ist und was man tun möchte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man das tut was die meisten Menschen so tun.
Das Buch enthält zwei schöne Analogien. Als erstes erzählt Casey von den grünen Meeresschildkröten, die den Rhythmus der Wellen für sich effektiv nutzen, um voran zu kommen und verdeutlicht uns so, dass man seine Energie mit einer Menge von Dingen verschwenden kann, wenn man nicht genau weiß was sein ZDE ist und man dann evtl. nicht mehr die Kraft oder Zeit hat, das zu tun wofür man „hier“ ist. Die andere Geschichte wird von Mike erzählt und ist ziemlich bekannt, aber dennoch immer wieder hörenswert. Es geht um einen Geschäftsmann, der in seinem Urlaub am Strand einen Fischer beobachtet, der jeden Morgen raus fährt, um Fische für sich und seine Familie zu fangen. Eines Morgens kommen beide ins Gespräch und der Fischer erzählt, dass er jeden Morgen mit seiner Frau und seinen Kindern frühstückt. Während die Kinder in der Schule sind, fährt er dann mit seinem Boot heraus, um das Essen für den Tag zu besorgen und seine Frau bleibt zu Hause und malt. Nach dem Mittagessen macht er einen kurzen Mittagsschlaf und am Abend geht er mit seiner Frau am Strand spazieren, während die Kinder im Meer schwimmen. Der Geschäftsmann fragt, ob er denn jeden Tag genügend Fische mit nach Hause bringen kann. Ja, antwortet der Fischer ich fange mehr als genug Fische und die die ich nicht brauche entlasse ich wieder ins Meer. Aber warum fischen sie dann nicht den ganzen Tag und fangen so viele Fische wie sie können will der Geschäftsmann wissen? Der Geschäftsmann erklärt dem Fischer weiter, dass wenn er die zusätzlichen Fische auf dem Markt verkaufen würde, dass er sich dann irgendwann ein zweites Netz leisten könnte, um noch mehr Fische zu fangen. Später käme eine zweites Boot hinzu und der erste Angestellte und wenn er so weiter machen würde, dann könnte er sich bald ein Büro in der Stadt leisten und in zehn Jahren ein ganzes Fischunternehmen aufbauen. Wofür er das alles machen sollte, fragte der Fischer den Geschäftsmann. Natürlich um Geld zu verdienen, damit er sich eines Tages zur Ruhe setzen könne und nur noch das mache was er wolle. Der Fischer fragte, ob er dann wieder mit seiner Familie frühstücken könne und mit seinem Boot raus fahren könne, um zu fischen? Der Geschäftsmann war verärgert, dass der Fischer nicht auf seine Ideen ansprang. Kann ich dann abends wieder mit meiner Frau und den Kindern am Strand sein, fragte der Fischer? Ja, antwortete der Geschäftsmann, obwohl ihre Kinder dann vielleicht schon zu groß sein werden. Der Fischer lächelte, gab dem Geschäftsmann zum Abschied die Hand und wünschte ihm weiterhin eine gute Erholung.
Wir gehen jeden Tag zur Arbeit, um genügend Geld zu verdienen, um uns irgendwann einmal zur Ruhe zu setzen, um Zeit für die Dinge zu haben, die wir gerne tun.
Wir haben jeden Tag die Gelegenheit, das zu tun was wir möchten. Jeden Tag können wir die Antwort auf die Frage warum bin ich hier verwirklichen. Wir müssen nicht erst bis zum Ruhestand warten. Warum verbringen wir so viel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, zu dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun?
Anne ist eine studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige Führungskraft aus der Werbeindustrie. Sie erklärt John, warum es für uns so schwer ist, fokussiert unsere Ziele zu verfolgen und unseren Zweck der Existenz zu erkennen. Grund sind die vielen Botschaften, die uns jeden Tag durch die Medien vorgesetzt werden. Dort werden ganz gezielt unsere Ängste und Sehnsüchte angesprochen. Wir sollen davon überzeugt werden, dass wir durch ein bestimmtes Produkt glücklich werden und umgekehrt sogar unglücklich werden, wenn wir gewisse Dinge nicht besitzen. Anne verdeutlicht, dass wir seit der Kindheit mit diesen subtilen Botschaften bombardiert werden und um uns diese Dinge leisten zu können, fangen wir irgendwann an zu arbeiten. Wir haben vielleicht nicht den idealen Job und verbringen auch mehr Zeit im Büro als uns lieb ist, aber als Belohnung kaufen wir uns etwas von den Dingen, von denen wir glauben, dass sie uns erfüllen könnten. Wenn uns die Arbeit nicht befriedigt und wir so viel Zeit damit verbringen, dann werden wir immer unzufriedener und sehnen den Ruhestand förmlich herbei. In der Zwischenzeit kaufen wir viele Dinge, um uns abzulenken und in der Hoffnung, dass uns diese Dinge erfüllen. Meistens ist die Erfüllung nur von kurzer Dauer und wir geben immer mehr Geld für diese Art von Erfüllung aus, was wiederum bedeutet, dass wir mehr arbeiten müssen. Arbeit, die uns nicht erfüllt und unzufrieden macht. Es ist ein Teufelskreislauf, den man so schnell wie möglich durchbrechen sollte. Die Fragen „warum bin ich hier“ kann uns dabei helfen. „Unsere Aufgabe besteht darin zu erkennen, dass uns etwas erfüllt, weil wir es selbst so empfinden, und nicht, weil jemand anderer uns sagt, dass es erfüllend sei.“
Wir alle sollten uns Zeit für die Dinge nehmen, die uns wichtig sind.